Schemannshof

Der Schemannshof in Rotthausen

Der Besitz meiner Urgroßeltern mütterlicherseits war der Schemannshof in Rotthausen (heute Gelsenkirchen). Sein Grundstein hatte die Jahreszahl 1322. Auf dem Giebelbalken stand der Spruch:


Obschon das Haus zerbricht
und mit der Zeit vergehet,
den Himmel Gott verspricht,
ein Haus, das ewig stehet.

Schemannshof in Rotthausen
Schemannshof (Quelle: Stadtteilarchiv Rotthausen)
Im Laufe der Jahrhunderte hatte der Hof unterschiedliche Namen: Als Besitzer ("Aufsitzer") werden in Quellen erwähnt:
1329 Hove to Schyven 1397 Hense van Scheven (Hofgeschworener)
1425 Hannes to Scheven
1456 Dederich van Scheven
1385 Hove to Scheyven
1538 Schevemann 1539 Hinrich Schevemann
1565 Conrad Schevemann
1577 Bernd Schevemann und seine Frau Gerdt
1609 Diderich Schevemann
1643 Diderichs Tochter und ihr Gatte Friedrich Ottenkamp
1650 Schemannshof 1688 Georg Schemann und seine Frau Grete Keller
1711 Johannes Schemann und seine Frau Catharina Vollminghoff
1732 Anna Schemann und Mann genannt Schemann
1782 Johann Theodor Schemann und Frau
1810 Wilhelm Schemann und Frau
1836 Bernhard Schemann
1850 Wilhelm Schemann und Frau Anna Prein genannt Schulte Spellberg
1890 Ernst Schemann und Frau Franziska Schürmann

Der Schemannshof wurde durch Brandstiftung ca. 1905 sehr stark zerstört und trotz Unterversicherung wieder aufgebaut. Die Verschuldung führte 1907 zur Versteigerung des Hofes und der Ziegelei. Die Zeche Dahlbusch ersteigerte das Gelände. Sie hatte bereits 1900 Land von Schemann gekauft, um eine Arbeitersiedlung zu bauen.

Von den neun Kindern der Eheleute Ernst und Franziska Schemann wurden acht auf dem Hof geboren. Nur die jüngste Tochter Käthe wurde 1909 nicht in Rotthausen sondern in Hoerde geboren. (Aussage Hildegard Kutasi, Enkelin von Ernst und Franziska Schemann, am 20.07.1987)


"Die Familiennamen gingen durchweg aus den Hofnamen hervor. Erwarb ein Fremder einen Hof, so nannte er sich nach alter westfälischer Sitte fortan nach demselben. Sein eigener Name wurde nur mit einem genannt hinzugefügt. Man beachtete den angeführten Namen aber kaum. Die Einheimischen bedienten sich ausschließlich des ersten Namens. Auf die Hofbesitzer und ihre Nachkommen übertrugen sich jedes Mal die Hof- und Kottennamen, die wieder fast ausschließlich von der Lage des Hofes hergeleitet waren. So lässt sich schwerlich sagen, wie lange schon die Vorfahren der Besitzer geerbter Höfe das Väterliche bewirtschaftet haben.

Bei vielen dieser Familiennamen, die am Hofe haften, fällt uns noch die eigentümliche Endung mann auf, wie Tiemann, Hartmann usw. Auch diese Namen enthalten eine Ortsbezeichnung. Dieses mann ist durch die kirchlichen Schreiber im 17. Jahrhundert eingeführt worden. Wir sahen schon, wie die Hofnamen ganz anders lauteten, z. B. 1688 Tiemann, 1529 hove op dem Thie. Das lateinische Wort mansus, deutsch hove, von dem die Endung mann herrührt, bezeichnet einen Unterhof im Gegensatz zu curtius, deutsch hob, was Oberhof bedeutet." (aus: Geschichte der Bürgermeisterei Rotthausen von Hermann Tobien, 1910, S. 60 ff.)

Anmerkung zu den Ausführungen von Hermann Tobien:
Eventuell irrt der Verfasser hier bezüglich des Gebrauchs von "genannt". In anderer Literatur wird dargestellt, dass der Hofname mit genannt hinzugefügt und der eigene Name nach dem Nachnamen geführt wurde. Unstrittig ist, dass der Hofname der bei den Einheimischen gebräuchliche Name war. (siehe zu diesem Thema auch  Gen-Wiki zum Thema "genannt")

Quellen

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